Gisela

 

_fr_6597klein.jpgAlso, wenn ich ehrlich sein soll: Meine ersten 2 Hunde (vor vielen Jahren)blieben völlig unerzogen. Sie lebten bei uns in der Familie, jeder hatte sie lieb und sie konnten eigentlich machen was sie wollten. Sie suchten sich auch ihre täglichen Beschäftigungen selber. Kalle z.B. verpasste keinen Fußgänger, der an unserem Grundstück vorbei ging. Unser 8000qm großes Grundstück bot ihm eine lange Zaunstrecke und er hatte gut zu tun alle, die vorbei gingen, kläffend zu begleiten. Boskop unterstützte ihn tatkräftig.

Ab und zu  musste auch mal ein Huhn oder ein Kaninchen dran glauben und da sie alle Namen hatten und nichts in Kalles Bauch zu suchen, war ich darüber stinksauer. Meist entdeckte ich das erst einige Zeit später und mein wildes Geschimpfe und Gedrohe veranlasste beide Hunde vor mir wegzurennen – schuldbewusst, wie ich damals glaubte – aber aus heutiger Sicht, ohne eine Ahnung zu haben, worüber ich mich so aufregte. Wahrscheinlich hielten sie das auch eher für ein interessantes Verfolgungsspiel, oder hofften, dass mein Anfall bald vorbei geht...

Hätte ich damals schon das Internet, die vielen Lehr-Videos, die tollen Fortbildungen, die ganzen tollen Bücher zur Verfügung gehabt, die sich inzwischen in meinen Regalen angesammelt haben und die ich natürlich auch alle (!) gelesen habe, wären Kalle und Boskop, Pucky und Shiva sicher sehr viel schlauer in den Hundehimmel gekommen - zumindest aus menschlicher Sicht..........  

Aber was macht nun einen guten Trainer aus? dsc_0197.jpgklein

Hunde-Seminare, Schulungen, eigene Erfahrungen, Lebenserfahrungen, die Liebe zum Tier, Menschenkenntnis? Wahrscheinlich von allem ein bisschen, eine gute Mischung.

 

Während meiner Ausbildung zur Heilpädagogin und auch später im Soz-päd-studium setzte ich mich zeitweise sehr intensiv, theoretisch wie praktisch,  mit dem Thema der tiergestützten Therapie auseinander. Hierbei handelt es sich um den gezielten Einsatz von Tieren in der Arbeit mit behinderten Menschen. Dabei hab ich viel gelernt über Wertschätzung und Toleranz - besonders dem Tier gegenüber.
Hunde haben das Bedürfnis geführt zu werden ohne Gewalt und Zwang, das ersetzt ihnen in unserer Menschenwelt die Sicherheit des Rudels. Meiner Meinung nach gelingt das  Mensch-Hund-Verhältnis nur,  wenn wir versuchen wie Hunde zu denken und wenn wir versuchen zu verstehen, was in ihnen vorgeht.

Manchmal ist es hilfreich zu versuchen die Welt mal mit den Augen seines Gegenübers zu sehen, auch, wenn er 4 Beine hat. Manche Lösungen für Probleme liegen dann auf der Hand und es müßten nicht immer neue und bessere Erziehungshilfen erfunden werden, die den Hund einschränken, unterdrücken und verunsichern. 
Es gibt so etwas wie eine Grundangst unter Hundehaltern, nämlich die, dass der Hund nicht gehorchen könnte. Die Angst kommt immer dann hoch, wenn der Hund etwas tut, was wir nicht gleich verstehen. Z.B. wenn er knurrt, fühlen wir uns bedroht, weil es sich böse anhört. Wenn er nicht sofort und auf der Stelle liegt, wenn wir Platz sagen, befürchten wir ihn nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Wenn er uns im Spiel zwickt überlegen wir sofort, ob man das durchgehen lassen sollte, denn er könnte ja dominant werden. Es fehlt oft die Gelassenheit und die Nachsicht, die man aufbringt, wenn man es mit einem Freund zutun hat....

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Natürlich muß der Hund in der Menschengesellschaft kontrollierbar sein. Es ist ja tatsächlich ein Raubtier, dass wir uns da in die Stube geholt haben!

Aber, läßt man sich auf Tiere ein, bewegt man sich auf fremdem unbekanntem Gebiet.  Wie in einem fremden Land sprechen Tiere eine andere eigene Sprache. Wie in einem anderen Land sollten wir uns also, wenn wir es nicht schon nach einpaar Tagen wieder verlassen wollen,  um umfangreiche Sprachkenntnisse bemühen, damit wir mit dem Hund kommunizieren können und damit wir verstehen, was er uns mitteilen möchte. Nur wenn wir eine Situation richtig einschätzen können, können wir angemessen handeln. Das ist das Hauptanliegen unserer Hundeschule. img_0026.jpgzirkus_klein
 Ich glaube es reicht nicht seinen Hund zu lieben. Wenn wir uns entschieden haben mit einem Tier zu leben, dann sollte uns bewußt sein, dass es unser Leben verändert.

Wir müssen ihm gestatten das Tier zu sein, das es ist, mit seiner Sprache, die wir ihm nicht verbieten dürfen, mit seinen arteigenen Bedürfnissen, die wir ihm nicht abtrainieren sollten.

 

Wie es manchmal so ist im Leben:

Man hat einen „Problemhund“ - und geht zu Fachleuten. Beeindruckt von deren Wissen schaltet man in seiner Hilflosigkeit  sein Gehirn aus, gibt die Verantwortung am Tor zur Hundeschule ab und glaubt den  „Fachleuten“. Man lässt sich erzählen, wie man mit seinem Hund umgehen muss, damit er wieder funktioniert, lernt gezielt an der Leine zu rucken – obwohl man seinen Hund lieb hat - , arbeitet mit Zuckerbrot und Peitsche (Leckerchen und Stachelhalsband) gegen seine eigene Überzeugung, weil man Angst hat mit dem Hund überall anzuecken, und weil der  Hundetrainer ja die Erfahrung hat........

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Ich hab das auch so gemacht und ich schäme mich dafür!

 

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Dann, 2001, ein kleines Licht am Horizont – Internet sei Dank!

 

Ich las über Clickertraining, die freundliche und effektive Art Hunde zu trainieren. Das kleine Licht wurde für mich zu einer großen Laterne und ich organisierte sofort ein erstes Wochenendseminar mit Birgit Laser.
Das Seminar hat mich beflügelt. Ich war nun angekommen und suchte und fand Gleichgesinnte. Nämlich Menschen, die wussten, dass Hundetraining und Tiertraining allgemein, gewaltfrei, leise und mit Freude auf beiden Seiten durchgeführt werden kann.

Alle Seminare und Schulungen die folgten fanden nur noch bei Trainern statt, die wußten wie Hunde lernen und die das Training über positive Bestärkung  bevorzugten. Davor habe ich mich, wie die meisten Hundehalter, immer auf die Sachen konzentriert, die ausgemerzt und abtrainiert werden sollten, nur um nichts einschleifen zu lassen. Die tollen Verhaltensweisen bekamen zwar auch ein "fein", aber eigentlich waren sie selbstverständlich und bekamen lange nicht so viel Beachtung, wie die negativen.

gise_und_hunde_090klein.jpgWie schade, das nur Leni, meine liebe, nachdenkliche, zimperliche und gescheite weisse Schäferhundhündin (Bauj. 2002)  in den Genuss der sanften Erziehung, des angstfreien Lernens und einer artgerechten rohen Ernährung (ja das ist ja auch wichtig!) gekommen ist und noch kommt. Und seit September 2005 auch Daschka meine Kromfohrländerhündin.

 Alle anderen Lebewesen, die meinen Lebensweg bis dahin teilten: 3 Ehemänner, meine inzwischen erwachsenen Kinder und Pflegekinder, 2 Pferde , 4 Hunde, 4 Ziegen, 4 Schafe, unzählige Katzen, Kaninchen, Hühner und Meerschweinchen, auch 2 Ratten mussten mit den üblichen Umgangs- , Erziehungs- und Lernmethoden vorlieb nehmen.

Tut mir leid, ihr lieben Zwei- und Vierbeiner von damals, wahrscheinlich fehlte mir der Austausch . Ich hoffe es war nicht so schlimm.....

Inzwischen mußte ich meine beiden lieben Begleiter Leni und Daschka für immer gehen lassen.  Sie haben mir alles gegeben, was Hunde ihren Menschen geben können und ich hab zwei beste Freunde verloren. Trost gibt es nicht.... 

 Gisela

 
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