Aggression

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Wusstest du eigentlich, dass Angst und Unsicherheit die häufigsten Gründe sind für aggressives Verhalten bei Hunden.

„Meiner hat nur Angst....“ hört man oft, um das aggressive Verhalten des eigenen Hundes zu erklären und – auch wenn man es sich nicht eingestehen will – um es nicht so schlimm erscheinen zu lassen.
Oder man vermutet das Gegenteil und meint der Hund sei dominant........ Aber Dominanz ist ein anderes Thema, lest dazu da mal nach.

Aggression gehört zum Leben und ist in gewissem Ausmaß normal. Übersteigerte Aggressionsbereitschaft führt jedoch zu ernsthaften Problemen im Zusammenleben zwischen Hund und Mensch und sollte erkannt und behandelt werden.

 

smilie_rennt_gegen_die_wand.gif Als Hundehalter tut man sich keinen Gefallen, wenn man den Dingen nicht ins Auge sieht und sie vielleicht verniedlicht. Hinzu kommt noch, dass man erkennen muss, dass das Verhalten des eigenen Hundes immer auch etwas mit dem eigenen Verhalten zu tun hat. Das bedeutet, nur wenn der Hundehalter sein Verhalten verändert, kann der Hund möglicherweise sein Verhalten ändern.

Es nützt nichts einem ängstlichen Hund zu verbieten, andere Hunde anzugreifen, bzw dieses Verhalten unter Strafe zu stellen. Dann könnte man seinem Hund gleich verbieten Angst zu haben und das, das wissen wir alle, geht nicht. Gefühle kann man nicht verbieten !
Ein Problem löst man nur indem man die Ursache erkennt und wenn möglich abstellt. Man löst es nicht, wenn man die Symptome unterdrückt, sondern riskiert damit eine Verlagerung des Problems und eventuell die Entwicklung einer Zeitbombe....

 

Der 1.Schritt

hin zu einer Veränderung ist die Erkenntnis, dass man in bestimmten Situationen einen aggressiven Vierbeiner hat, und dass diese Tatsache nicht geleugnet oder abgeschwächt wird. Den Satz „Mein Hund ist in bestimmten Situationen aggressiv“ auszusprechen, ist sicherlich anfangs schwer, aber smilie_gassigehnzeigt, dass du dich mit dem Problem auseinandersetzt.

 

Der 2. Schritt

ist, die genaue Erfassung der Situation hinsichtlich Häufigkeit und Dauer des aggressiven Verhaltens und was genau das Verhalten auslöst. Und zwar ist es wichtig alle Reize aufzulisten, die zu dem unerwünschten Verhalten führen.

Und nun wird es etwas schwieriger, denn du musst nun wie dein Hund denken. Was hat dein Hund davon, dass er sich so verhält? Wieso meint dein Hund, dass es sich lohnt sich so zu verhalten? Das herauszufinden ist wichtig. Denn ein Verhalten wird nur auf Dauer gezeigt, wenn es sich für den Hund lohnt. Klar ist, er will sich entweder einen Vorteil verschaffen oder einen Nachteil von sich fern halten. Wie meinst du sieht das dein Hund?

Vor dem nächsten Schritt solltest du auch noch die Meinung deines Tierarztes einholen, denn manchmal kann hinter plötzlichen Verhaltensänderungen ein medizinisches Problem stecken, z.B. Schmerzen. 

Der 3. Schritt

 ist erst dann möglich, wenn du dir über all diese Faktoren (wann, wie, warum usw) klar geworden bist. Erst dann kannst du eine Strategie entwickeln um das Verhalten deines Hundes zu ändern. Hierzu solltest du dir fachliche Hilfe suchen, denn wenn man selbst ein Bestandteil der Situation ist, fehlt einem oft der Abstand um richtige Entscheidungen zu treffen. smiliemithund

 Grundsätzlich gilt es Management zu betreiben:  

Vermeide den Auslöser bis auf Weiteres, das heißt, bis du ein Konzept bzw Hilfe hast, damit sich das Problemverhalten nicht noch weiter festigt.

Bei Aggression gegenüber Menschen gewöhne deinen Hund vorbeugend, einfühlsam und langsam an einen Maulkorb. 

Zwangsmaßnahmen solltest du grundsätzlich vermeiden.

Dazu gehören Stachelhalsbänder, Teletaktgeräte, Schläge und jede Art von Gewalt. All das wird die Aggression deines Hundes nur vordergründig und für eine Weile unterdrücken. Zeigt sie sich dann wieder wirst du zu noch stärkeren Maßnahmen greifen, weil du merkst, dass der dauerhafte Erfolg ausgeblieben ist.

 

Bedenke auch: Jeder Hund hat das Recht sich zu fürchten oder wütend , misstrauisch und nervös zu sein. Aggression ist eine natürliche Reaktion auf Überforderung und Stress. Und häufig ist es ein gelerntes Verhalten und bedarf schon deshalb einer guten Therapie.

 

Jedes Gehorsamkeitstraining sollte nicht konfrontativ sein, damit dein Hund wieder Vertrauen in deine Führungsqualitäten bekommt. Du bist ruhig, freundlich, konsequent, souverän und zuversichtlich. So, wie du dir deinen Hund wünschen würdest.

 

Hat dein Hund ein angstbedingtes Aggressionsproblem, halte Abstand zu den angstauslösenden Dingen, Menschen oder Tieren. Da, wo es noch geht , wenn der Abstand  so groß ist , dass der Hund noch einigermaßen entspannt ist, beginne mit ihm zu arbeiten. Das heißt hier füttere ihn mit Leckerchen und mache einpaar leichte Übungen. Nur wenn er sie in diesem Abstand machen kann, weißt du, dass die Entfernung  groß genug ist.

Auf diese Weise kannst du mit einem Desensibilisierungsprogramm beginnen. Das heißt, näher dich dem Angstauslöser nur schrittweise und kalkuliere mehrere Wochen oder gar Monate ein. Gehe wirklich in kleinen Schritten vor, d.h. heute sind es vielleicht 100 Meter Abstand zum Angstauslöser und morgen sind es 99 Meter. Jedes Mal, wenn der pudelmitball_2Angstauslöser in das Blickfeld deines Hundes kommt, bekommt er die Gelegenheit ihn mit etwas tollem zu verknüpfen: Leckerchen, Bälle, ein tolles Spiel.

 

Nach einiger Zeit, wenn der Hund dann ruhiger und sicherer geworden ist, kannst du ein Alternativverhalten (Blickkontakt, ruhiges Vorbeigehen, etwas tragen usw) aufbauen.

 

Hilfreich wäre, wenn du im Training und auch im Alltag deine Aufmerksamkeit auf die guten Verhaltensweisen deines Hundes lenken würdest und diese bestärken würdest. Clickertraining bietet sich hierzu an, denn es bringt dich und deinen Hund überhaupt keinen Schritt weiter, wenn du immer nur beachtest was er noch nicht kann.

 

Ein Desensibilisierungsprogramm bzw. eine Umgewöhnung  ist langwierig aber wenn alles  gut konzipiert ist, erfolgreich.

Schwierig wird es oft dadurch, dass das Ganze nicht nur von deiner Geschicklichkeit abhängt, sondern auch noch von den Einflüssen der Mitmenschen und der Außenwelt.

 Grundsätzlich sollte Erfolg bei unerwünschtem Verhalten vermieden werden.

Denkt man dann aber an den Briefträger, kann man das nur erreichen, wenn der Briefträger sich auf einen Deal mit uns einlässt. Er lässt sich nicht mehr verbellen, sondern bleibt zum Kaffee....

Oder schauen wir uns die Begegnung von Hunden bei einer Leinenaggression an. Kommt dem angstaggressiven Hund ein anderer Hund zu nahe und er kann diesen aus seiner Sicht mit Knurren vertreiben, wird er seine Strategien (nämlich Knurren, Drohen, Zerren, Zähnefletschen) verfeinern und festigen.

So eine Begegnung muss unbedingt in Zukunft vermieden werden, wenn man das Verhaltensmuster nicht verstärken und immer schwerer behandelbar machen will.

Bedenke auch: Je länger ein Verhalten besteht um so länger dauert es es wieder abzugewöhnen.

 

Aggressionsverhalten ist ein umfassendes Thema. Hier wurde der Fokus besonders auf die durch Angst und Unsicherheit begründete Aggression gerichtet. Du solltest dich unbedingt um fachlichen Rat bemühen und bevor du ihn befolgst, in dich gehen und dich fragen, ob es der richtige Weg für dich und deinen Hund sein könnte.

Bevor ich einen Freund auf vier Pfoten "breche" (bei manchen Trainern spielt sich soetwas immer noch ab) um mir Arbeit zu ersparen würde ich darüber nachdenken, ob er es bei jemand anderen nicht besser hat.....

 Buchtipp für alle, die mehr wissen wollen: James O´Heare, Das Aggressionsverhalten des Hundes – Ein Arbeitsbuch; animal learn Verlag 
 
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