Merkblatt Welpen

ATH-Merkblatt Welpen 

Jetzt ist es so weit, das Hundebaby ist zu Hause angekommen !!

  Vergessen Sie erst einmal das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Legen Sie Ihr Hauptaugenmerk nicht nur darauf ihn stubenrein zu bekommen, ihm das welpeauftelefon.jpgAnspringen und das „Beißen“ in die Hände abzugewöhnen. Sicherlich sind das wichtige Ziele, aber was jetzt, in den ersten Lebenswochen,  zählt, ist einzig und allein der Aufbau einer tragfähigen Beziehung. Die Bindung ist das Fundament für eine lebenslange zuverlässige Partnerschaft - gefährden Sie es nicht !
Dafür braucht man Zeit, besonders in den ersten Wochen. Also, nehmen Sie sich erst einmal Urlaub, wenn Sie Ihr neues Familienmitglied zu sich nehmen !

Was bedeutet Bindung?
Bindung meint, dass zwischen Ihnen und Ihrem Hund ein festes Band gegenseitiger Zuneigung und Vertrauen geknüpft wird. So, wie er es zu seiner Mutter bereits aufgebaut hatte und das nun schlagartig zerrissen wurde – und das in einer Phase, in der der Welpe seelisch enorm verletzlich ist. Nun sind Sie für ihn da und sollten für ihn Eltern werden, denen er voll und ganz vertrauen kann.

Wie Sie das schaffen?
Das ist gar nicht so schwer, denn der Hund schließt sich Ihnen an, leider auch wenn Sie ihn schlecht behandeln. Er braucht ein Rudel und wird sich Ihnen anpassen, je nachdem

- vertrauensvoll, weil er sich von Ihnen sicher behütet fühlt oder
- zeitlebens ängstlich und in Fluchtbereitschaft weil er sich vor Ihnen nicht sicher fühlt,
oder
- überzeugt von sich selbst, dass er die besseren Führungsqualitäten hat und die besseren Entscheidungen trifft, für seine  körperliche und seelische Unversehrtheit.

Eine gute Bindung ist die Grundlage aller Erziehungsbemühungen. Irgendwann später eine gute Bindung aufzubauen ist sehr schwer. Das kleine Gehirn speichert alle negativen Erfahrungen .


Bei Ihnen angekommen braucht der Welpe erst mal Ruhe und Zeit um sich in seinem neuen daschka_9_wochen_5Zuhause zurecht zu finden. Es sollten bei der Ankunft nur die Personen dort sein, die zur Kernfamilie gehören. Also erst mal eine Woche keinen zahlreichen Besuch, denn der Winzling hat ja noch keine Ahnung zu wem er gehört.
Es genügt vollkommen, wenn er seine neue Umgebung und die Menschen die mit ihm zusammen wohnen werden, kennen lernt.
In dieser Zeit kann er Ihren Geruch, Ihre Stimme und Gestik, Lebensgewohnheiten und Rhythmen kennen lernen und weiß dann bald bei wem er sich sicher fühlen kann. 

In dieser ersten Zeit sollte man den Hund nicht überfordern. Er wird es noch nicht verstehen, wenn Sie ihn jetzt schon alleine lassen. Das Alleinebleiben sollte nach und nach und langsam aufgebaut werden.
Anschreien, im Nacken schütteln, mit der Nase in Urin und Kot drücken, Schlagen und Treten sind Verhaltensweisen, die Ihnen hoffentlich niemals passieren. Auch nicht, wenn der Lütte den Teppich anfrisst, seinen Haufen auf das Sofa macht oder Ihren Kindern das Essen vom Mund leckt.
Es ist wichtig, sich darauf einzustellen, dass so etwas passieren kann und dass man sich überlegt, wie man adäquat mit einer solchen Situation umgeht.  
Wichtig ist, Ruhe bewahren, freundlich Grenzen setzen, richtiges Verhalten belohnen!

Wenn Ihre Familie aus mehreren Menschen besteht, wird sich der Hund denjenigen als Mama, Papa, Chef aussuchen, den er am besten versteht, vertraut, bei dem er sich sicher fühlt.

Wenn Sie Ihren Kindern klar machen können, dass sie es bei dem Welpen mit einem Baby zu tun haben, ihn entsprechend vorsichtig und umsichtig behandeln, wird der Hund später mit Kindern kein Problem haben. Wenn der Hund in Kinderhänden zum Spielzeug wird, sie ihn bedrängen auch wenn er müde ist, wird der Hund Kindern gegenüber möglicherweise immer vorsichtig und misstrauisch sein und in Erwartung des Schlimmsten entweder die Flucht ergreifen oder sich nach seinen Möglichkeiten zur Wehr setzen. Sie haben in seinen Augen eindeutig versagt und ihn ausgeliefert. Denn er fand die Spiele der Kinder vielleicht doch nicht so schön, wie es für Sie aussah.  

Sie sind dafür verantwortlich, dass dem kleinen Hund in seinem neuen Zuhause keine Gefahr ulas210806.jpgdroht. Er weiß nicht, was eine Giftpflanze ist, dass Strom tödlich sein kann, ein Backofen oder Kachelofen starke Hitze ausstrahlt. Er weiß nicht, dass der Abstand zwischen Balkon und Erdboden zu groß ist zum Hinunterspringen, dass er eine Treppe auch hinunter fallen kann und dass es unverdauliche Gegenstände gibt.

Bisher wurde der Welpe mehrmals täglich von seiner Mutter gefüttert, das sollte auch erst einmal so weitergehen.  4 kleine Mahlzeiten in den ersten 4 Wochen im neuen Heim, haben sich bewährt. Der Hund soll sich nicht den Bauch voll schlagen und danach müde in Schlaf fallen. Dann war es definitiv zuviel. Ab dem 4. Lebensmonat gibt es 3 Mahlezeiten und frühestens ab dem 6. Lebensmonat, besser später, 2 x täglich Futter. Daran muss sich dann nichts mehr ändern.

Der Welpe hat nur eine winzige Blase und muss noch nach jedem Schlafen, meist auch nach jedem Spielen und wirklich nach jeder Wasser- oder Futteraufnahme hinaus. Draußen wird er für jedes Pfützchen und für jeden Haufen überschwänglich mit freundlicher Stimme gelobt. Es ist sinnvoll schon jetzt immer die gleichen Formulierungen zu verwenden, wie z.B. „mach deinen Haufen“ oder „geh pinkeln“ o.ä..

Wird das Geschäft, egal ob klein oder groß, in der Wohnung erledigt, wischen Sie es stillschweigend weg. Einen Säugling würden Sie auch nicht bestrafen, ihm vielleicht die nasse Windel ins Gesicht drücken, oder? Unabhängig von den Fress- und Trinkzeiten kann der kleine Hund ruhig alle 2 Stunden nach draußen getragen werden.

Der Welpe teilt mit Ihnen Ihren Alltag. Das wäre zumindest artgerecht. Er lebt natürlich im Haus, wird nachts nicht in die Küche, ins Bad oder sonst wohin weg gesperrt. Ein Hund ist ein Rudeltier. Sie sind jetzt sein Rudel. Sie sind Eltern, Tanten, Onkel, Wurfgeschwister, also alle die normaler Weise dafür sorgen, dass der Hund nie alleine ist. Diese Verpflichtung haben Sie aus seiner Sicht übernommen, auch wenn es anders bequemer wäre.

Falls Sie einen 8-Stunden-Job haben und dann noch 8 Stunden schlafen und alleinstehend sind, sind das für einen Hund schon 16 Stunden ohne Zuwendung, eine einsame Zeit. Und dann darf er noch nicht einmal das Schlafzimmer mit Ihnen teilen ?

Ein Welpe braucht noch sehr viel Schlaf. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man ihn überfordert, weil er sich immer wieder zum Spiel oder zum Hinterherlaufen verführen lässt. daschka_10_wochenRuhezeiten sind wichtig . Es kommt früh genug die Zeit, in der der Hund 1 Stunde oder mehr spazieren gehen kann, noch ist es allerdings nicht soweit. Glauben Sie nicht, dass er Ihnen ständig hinterherläuft, weil er so viel Energie hat. Er tut das instinktiv, weil er Angst hat alleine zurückzubleiben. In freier Natur wäre das sein Tod. Also, in Maßen rausgehen.

In der ersten Woche muss es sowieso noch kein Spaziergang sei. Es reicht der Aufenthalt im Garten oder in einer ruhigen Gegend. Wir verlängern die Dauer des Aufenthaltes bzw. Laufens im Freien je Lebensmonat des Hundes um ca. 10 bis 15 Minuten.

Zum Beispiel:  

2 Mon.= 10 - 15 Min. Freilauf

3 Mon = 15 - 30 Min. Freilauf pro Gassigehen

4 Mon.= 20 - 35 Min. pro Gassigehen

5 Mon.= 25 - 40 Min. pro Gassigehen        

                               


Am Fahrrad laufen und Joggen sind Tätigkeiten, die den Bewegungsapparat, besonders Sehnen, Bänder und Gelenke stark belasten. Hiermit sollten Sie nicht beginnen bevor der Hund 12 Monate alt ist.

Der erste Spaziergang an der Leine sollte Ihren Hund nicht in Angst und Schrecken versetzen. Sein Hals ist ein ganz  empfindlicher Bereich. Das Führen am Halsband ist besonders bei jungen aktiven Hunden ungeeignet, denn er wird versuchen von dem lästigen Ding wegzukommen. Leinenführigkeit soll er erst lernen und diesen Lernprozess können Sie ihm erleichtern.  Geeigneter als ein Halsband ist ein Brustgeschirr, damit es nicht im späteren Leben zu Rückenschmerzen, Verkrampfungen und Schäden an der Wirbelsäule kommt.
Dazu muss nicht einmal der Mensch an der Leine rucken oder reißen, sondern es genügt, dass der Welpe in seinem Spieltrieb mit voller Wucht in die Leine läuft.

Spielen mit Artgenossen, die eigene Sprache anwenden zu können und die eigene Wirkung auf andere zu erleben, ist für zukünftige Hundekontakte eine wichtige Grundlage.  Für eine gute Sozialisierung des Hundes ist es vernünftig eine überschaubare und gut geleitete Welpengruppe zu besuchen. Gehen Sie nicht gleich in die, die bei Ihnen um die Ecke angeboten wird. Unter Umständen müssen Sie etwas länger fahren. Denn, wo immer noch mit Leinenruck, Nackenschütteln, auf den Rücken werfen gearbeitet wird,  15 andere Welpen über Ihren Hund herfallen dürfen, Sie sich raushalten sollen, damit Ihr Hund lernt sich durchzusetzen, sind Sie  schlecht beraten und sollten sofort den Platz verlassen. Wichtig ist, dass der Hund in diesem Alter Kontakt zu img_1981.jpgklein.jpgunterschiedlichen Artgenossen hat, aber in kleinen Gruppen und mit verschiedenen Umweltreizen bekannt gemacht wird. Es sollte immer genügend Zeit zum Besprechen von Fragen und Problemen der Welpenbesitzer eingeräumt werden.

Sie sollten für Ihren Hund in Gefahrensituationen die sichere Zuflucht sein. Er erwartet von Ihnen, dass Sie ihn beschützen. Wer sollte es sonst tun? Seine richtige Mutter täte dies ebenfalls für ihn, wenn er von fremden Hunden attackiert würde. Ihr Hund sollte die Zeit in der Hundeschule als angenehm erleben und nicht ständig mit eingeklemmter Rute versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Muten Sie ihm nur das zu, was er schon verarbeiten und verkraften kann. Motivieren Sie ihn und begleiten Sie ihn dabei, fordern Sie nicht von ihm ein ganzer Kerl zu sein. Wenn er erfährt, dass er Ihnen vertrauen kann, wird er von sich aus und aus eigener Kraft den ersten Schritt zu den anderen hin tun. Sie sollten unbedingt erkennen, wenn das Spiel zwischen Ihrem und anderen Hunden einseitig ist und nur die anderen Spass haben.  Ein guter Trainer hilft Ihnen zu erkennen, wie viel oder wie wenig Rückendeckung Ihr Hund von Ihnen braucht.

Die Kontrolle von Ohren (selbstverständlich ohne Wattestäbchen!!!), Augen, Zähne, Pfoten und alles was der Hund so an sich hat sollte nicht nur vom Tierarzt sondern regelmäßig von Ihnen durchgeführt werden. Machen Sie es ruhig, freundlich und selbstverständlich geschehen, ohne dass Sie den Hund dabei festhalten müssen.  Er wird schnell lernen still zu halten, wenn es zwischendurch dafür ein Leckerchen gibt.  Körperkontakt ist für Ihren Welpen sehr wichtig. Er sollte an Sie gekuschelt liegen oder img_2212.jpgklein.jpgschlafen dürfen. Wenn er nicht ins Bett oder auf das Sofa soll, verbringen Sie einige Zeit mit ihm zusammen auf einer Decke am Boden. Hier kann Kuscheln und Zahnkontrolle auch mal in einander übergehen.

Sprechen sie viel und in einem freundlichen, normalen Tonfall mit ihm. Gewöhnen Sie sich einen Kommandoton gar nicht erst an. Ihr Hund soll freudig zu Ihnen kommen, freudig mit Ihnen arbeiten und wer macht das schon gern mit einem ewig brüllenden Chef?

Gehen Sie beim Spaziergang durch den Garten oder auch später in der Feldmark nicht einfach nur neben Ihrem Welpen her, der sich still für sich vergnügt, sondern machen Sie etwas gemeinsam: z.B. klettern, suchen , finden, rennen, verstecken usw.  Machen Sie sich interessant, zeigen Sie ihm, dass Sie ein Abenteurer sind und dass er etwas verpasst, wenn er unterwegs nicht auf Sie achtet. Reagieren Sie unbedingt darauf, wenn er von selbst auf Sie wartet, Sie anschaut oder zu Ihnen zurückkommt. Halten Sie immer Kontakt, denn nichts anderes ist zur Zeit wichtiger als die unsichtbare Leine, die zwischen Ihnen entsteht. Bindung ist der Garant für eine zuverlässige Partnerschaft!

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