Silvester gut überstehen

Silvester gut überstehen

Inzwischen gibt es sehr gute und wissenschaftlich gehaltene Artikel zu diesem Thema.  Ihr findet einige auf Gudruns Seite unter "Aus dem Alltag". Leider sind sie oft sehr lang und so geschrieben, dass die meisten unserer Kunden sie nicht bis zum Ende durchlesen wenn sie  nicht bewußt einen Artikel über Neurophysiologie durcharbeiten wollen. 

Auf jeden Fall sind diese Abläufe im Gehirn während einer Angstsituation für Hundehalter, die sich gerne Hintergrundwissen anlesen möchten, unbedingt interessant und lesenswert. 

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Für alle die, die einfach nur  gut umsetzbare Tipps für diese "Höllentage" haben möchte, sind hier einpaar  allgemeinverständliche Ratschläge nachzulesen:  

 

Was für uns der Höhepunkt des Jahres ist, ist für sehr viele Tiere ein angstvoller Ausnahmezustand. Straßenkatzen, Straßenhunde und Vögel sind besonders betroffen. Die Angst beginnt bei den meisten Hunden häufig erst im 2. oder 3. Lebensjahr. Welpen sind in der Regel noch sehr unbedarft und vertrauen ihrem Menschen, der wirds schon regeln.... silvesterbller.gif

 

Vor während und noch Tage nach Silvester zeigen betroffene Hunde ihre tiefsitzende Angst vor den Böllern durch übersteigerte Wachsamkeit:

Jedes Geräusch wird zur Bedrohung - wann kommt der nächste Knall?

Zittern, Hecheln, Ruhelosigkeit, Verkriechen sind an der Tagesordnung.

Einige Hunde verweigern das Futter, wollen nicht mehr vor die Tür und können sich draußen nicht mehr lösen.

Manche haben Durchfall, Erbrechen und / oder verletzen sich selbst durch ständiges Kauen und Lecken um sich zu beruhigen, denn der Schmerz lenkt von der Angst ab.

Besonders Zwingerhunde leiden in dieser Zeit, sie sind mit ihrer Angst allein. Dass sie Angst haben fällt ihren Besitzern meist nicht auf, denn die meisten machen sich in Notsituationen nicht mehr bemerkbar. Wenn sie Angst haben verkriechen sie sich und erstarren „brav“. Sie haben gelernt, dass keiner kommt.

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Verantwortungsbewusste Hundehalter machen sich jedoch rechtzeitig Gedanken, wie sie ihrem Hund, falls er zu den ängstlichen gehört, in dieser schweren Zeit helfen können. Für eine Vorbeugung oder Gewöhnung an die Silvesterknallerei ist es, 2 Tage vor dem Jahreswechsel, längst zu spät. Das braucht Zeit und ein gezieltes Desensibilisierungstraining  möglichst unter fachlicher Anleitung.

Auch von einer kurzfristigen Ruhigstellung am Silvesterabend  mit Beruhigungsmitteln , wie es noch vor einpaar Jahren üblich war, ist abzuraten. Diese Medikamente erhöhen häufig die Geräuschempfindlichkeit, setzen aber die Bewegungsfähigkeit herab. Das Tier taumelt dann gedämpft und trotzdem voller Angst durch die Wohnung.  Ein guter Tierarzt wird dazu nicht raten!

Was kann man also tun?


Ihr könnt  einige Tage  bis 2 Wochen vor Silvester mit angstlösenden und stabilisierenden Medikamenten und Futterergänzungsmitteln helfen. Euer Tierarzt hat  eine Auswahl an geeigneten Mittelchen, fragt ihn.

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Leider habe ich die letzten 20 Jahre  immer wieder so einen Angsthasen mein eigen nennen dürfen. Jetzt ist es Leni, früher war es Boskop und Shiwa .  Jedem Hund hat etwas anderes geholfen. Zum Hilfeplan gehören bei uns  immer

-gemeinsame Matratzenlager für Zwei- und Vierbeiner,

-verhängte Fenster,

-Höhlen aus Decken und Tisch,

-laufender Fernseher ,

-Baldrian mit Hopfen und

-Bachblüten.  bonbon.gif

Ja, auch trösten ist erlaubt - unbedingt!
Aber fangt nicht an, euren Hund in Watte zu packen , wenn er nur mal erstaunt aufblickt.
Wenn noch keine Angst da ist, solltet ihr  am  besten, wie sonst auch, alles machen, was ihr sowieso machen wolltet. 
Ihr solltet mit dem Hund normal und aufmunternd sprechen  und  Gelassenheit und Ruhe ausstrahlen.
Wenn euch ein Topfdeckel auf die Fliesen fällt nehmt ihr ihn ja auch nicht gleich auf den Arm, sondern sagt kurz "upps" und die Sache ist für euch und den Hund erledigt.
Ihr solltet den Hund an diesem Tag aber auf keinen Fall allein lassen.

 

Wenn der Hund aber Angst hat,  sollte man das auf keinen Fall ignorieren, auch wenn es die Superhundetrainer im Fernsehen immer wieder raten.  Meist hilft dem Hund ruhiger Körperkontakt, Kontaktliegen auf dem Boden oder auf dem Sofa. Manchen Hunden hilft ein enges T-Shirt oder das Umwickeln des Körpers mit einem Schal. So eine Körperbandage verstärkt das Gefühl für den eigenen Körper und kann durch den Druck die Ausschüttung von Stresshormonen verringern. Der Hund fühlt sich gehalten, was ihm ein Sicherheitsgefühl geben kann. Alles geschieht in völliger Ruhe und Gelassenheit - denkt an die Stimmungsübertragung!!

Alles was dem Hund hilft ist erlaubt!

Haltet Kongs mit leckeren Füllungen für diesen Tag und Abend im Tiefkühlfach vorrätig.  

Man kann die Fenster zuhängen, wenn es die Lichtreize der Feuerkskörper sind, die den Stress auslösen. Man sollte den Fernseher als ablenkende Geräuschkulisse laufen lassen. Ruhige Sendungen sind geeigneter als Aktionfilme.
 

Rechtzeitiges Lernen ist das A und O und betrifft alle Umweltreize, auch Geräusche!

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Ein Chef, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt ist ein Segen für jeden Hund.

Strafe und Verbote haben bei Angstproblemen nichts zu suchen!

Angst kann man nicht verbieten und auch das störende Verhalten, womit sie zum Ausdruck gebracht wird, kann nicht so einfach abgestellt werden.

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Verbietet ihr das Bellen, Kratzen, Winseln, wird sich der Hund ein anderes Ventil suchen und durch euer mangelndes Einfühlungsvermögen, wird es ihm noch schlechter gehen.

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Management ist angesagt: Bringt in Sicherheit, was der Hund nicht zernagen darf, bietet ihm Rückzugsmöglichkeiten zum Verkriechen, dunkelt ihm eine Ecke, evtl. unter einem Tisch mit einer Decke, ab.

Laßt ihn nicht allein, laßt , wie gesagt, Fernseher oder Radio unbedingt laufen, dadurch werden Geräusche von draußen abgeschwächt.

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Bestraft ihn nicht, wenn er sich in diesem Ausnahmezustand in der Wohnung löst. Wischt die Pfütze oder auch das „große Geschäft“ kommentarlos weg.

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Geht nicht ohne Leine mit eurem Hund hinaus, er könnte in Panik weglaufen.

 

Sollten alle Vorkehrungen nicht viel helfen -  manchmal hilft tatsächlich ein halbes Glas Bier für einen mittelgroßen Hund, wenn er es mag. Wir haben damit  gute Erfahrungen mit unserer Shiwa gemacht.

Und zu guter Letzt: Zwingerhunde sollten ins Haus geholt werden. 

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Silvester bei uns: Dieses Jahr 2014 ist Leni inzwischen so gut wie taub. Sie ist nun bald 13 und ich hoffe, dass es das erste Silvester wird, das wir verschlafen können. Natürlich treffe ich wie jedes Jahr für die Notsituation Vorkehrungen.

 

2013: Leni ist mit ihren fast 12 Jahren ein alter Hase was Silvester betrifft. Seit sie 2 Jahre alt dsc_0045klein.jpgist hat sie Panik in diesen Tagen. Die ersten einsamen Knaller am Tag davor versetzen sie in eine Habacht-Situation. Sie mag nicht mehr vor die Tür gehen, wenn ich doch drauf bestehe, weil es nicht vermeidbar ist, rennt sie gleich zum Auto um ja schnell wieder ein vertrautes Dach über dem Kopf zu haben.

Manchmal muss ich sie , auch noch in den Tagen danach, in unserem Garten an die Leine nehmen, damit sie überhaupt raus geht.

Am Morgen bekommt Leni die erste Baldriantablette, mittags die 2. und dann um 17 Uhr, um 20 Uhr und um 23 Uhr die letzte.

Ab Mittag läuft bei uns Silvester der Fernseher.

Mit den ersten Böllern bin ich sozusagen ans Sofa gefesselt: Neben mir zittert Daschka, inzwischen abgeguckt und angesteckt von Leni und unter meine Beine gequetscht zittert Leni. Stellungswechsel für mich ist immer dann wenn Leni eine Unruherunde drehen muss.

Natürlich kommt von draußen kein Lichtreiz rein - die Fenster im Wohnzimmer und im Schlafzimmer sind zugehängt.

Silvester 2012 und 2011 half es Leni, als ich ihr einen weichen Schal um die Ohren gebunden habe und darunter in den Ohren steckte je ein weicher Socken. Damit konnte sie sich endlich dicht an mich gepresst hinlegen.  Baldrian wie beschrieben hat zusätzlich geholfen.

 

Ganz wichtig ist, dass ich da bin, nicht hektisch umher laufe, sondern selbst zur Ruhe komme und die Hunde Körperkontakt aufnehmen können , wenn sie es wollen. In dieser Zeit komm ich endlich mal zum viel Lesen.

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Also machen wir das beste draus.....

  

 

 
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