Schleppleinentraining
Schleppleinen-Training (Auszug aus: www.hoverwart-info.de)

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Solange der Gehorsam noch nicht ausreichend ist, sollte man seinen Hund in wildreichem Gelände sicherheitshalber an eine überlange (10 - 20 m) Leine legen, damit er sich nicht einfach durch Hetzen oder das Verfolgen einer Spur selbst belohnen kann. Nach Möglichkeit sollte man mit dem Training bereits beim jungen Hund beginnen, noch bevor der Jagdtrieb erwacht ist. Schleppleinen-Arbeit sollte allerdings nicht mit einfachem Gassi gehen an langer Leine verwechselt werden, bei dem der Hund lediglich in seiner Bewegungsfreiheit begrenzt wird.

Wichtig ist die Gewöhung an die lange Leine. Natürlich merkt jeder Hund recht bald, wann die Leine dran ist und wann nicht. Der Hund darf also ruhig merken, wenn man ihm die Schleppleine anlegt. Aber man sollte dieses Anlegen sofort angenehm gestalten, ein Leckerchen geben und unmittelbar danach mit Power spielen. Wichtig ist, dass er mit dieser Leine Strecke laufen kann und darf. Er soll mit Leine im Schlepp dem Ball oder Kong hinterherjagen.

Hat der Hund sich nach einigen Tagen an die Schleppleine gewöhnt, sollte die Schleppleine (zusätzlich zur normalen Führleine) bei jedem Spaziergang am Hund sein - egal ob man trainieren will oder nicht. Beim Training gibt es nun unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Das Anlegen der Schleppleine mit anschließendem Jagdspiel kann dabei zum Ritual werden, damit der Hund sich vor dem Training auspowern kann.

Schleppleinentraining ist in erster Linie Beziehungstraining. Damit Hund und Mensch ein Team werden, muss erst einmal die Bindung aufgebaut werden. Dabei soll die Schleppleine dem menschlichen Anhängsel auch etwas mehr Sicherheit vermitteln, bis die "unsichtbare Leine" etabliert ist. Und der Hund soll mit dieser verlängerten "Nabelschnur" lernen, Kontakt zum Hundeführer zu halten. Diese verloren gegangene Aufmerksamkeit, die beim Welpen noch ganz selbstverständlich war, kann man wieder aufbauen, indem man den Hund, kurz bevor er das Ende der Leine erreicht hat, zu sich ruft und evtl. in die entgegengesetzte Richtung davonläuft. Dabei hilft ein Knoten, den man 3 m vor dem Ende in die Leine gemacht hat. Sobald sich der Hund nach seinem Hundeführer umdreht, wird er gelobt. Überhaupt sollte er immer gelobt werden, wenn er Kontakt aufnimmt. Hat der Hund seinen Hundeführer eingeholt, gibt es weiteres Lob, Leckerchen oder Spiel. Man kann z.B. Leckerchen über den Boden rollen, denen der Hund dan hinterher jagen kann. Nach einiger Zeit kann man dann allmählich auch andere gemeinsame Aktionen starten, damit der Hund merkt, dass es interessant und lohnenswert ist, auf seinen Menschen zu achten. Ziel des Schleppleinen-Trainings ist es, dass der Hund den Leinenradius selbständig einhält. Wenn man am Ende des Trainings die Schleppleine wieder abbauen möchte, können Hörzeichen wie "langsam" oder "warte", die kurz vor Erreichen dieser Distanz gegeben werden, eine Hilfe sein. Auch dann lobt man kurz und geht wieder weiter, der Hund bekommt seine Bestätigung also durch das Weitergehen. Bleiben Sie aber variabel, damit der Hund nicht lernt, dass er nur bis zum Leinenende laufen muss, um seine Bestätigung zu erhalten.

Immer locker bleiben!
Bei diesem Beziehungstraining sollte die Schleppleine möglichst nie aktiv als Kommunikationsmittel benutzt werden - also nicht daran ziehen oder rucken, sondern den Hund immer so ansprechen, als wäre er ohne Leine. Der Hund soll auf das Komm-Signal reagieren, also selbst aktiv werden und nicht passiv gezogen werden. Lediglich wenn er Wild entdeckt hat und durchstartet, kann es dann vorkommen, dass er einen heftigen Ruck erhält. Ein Jagdversuch wird mit Purzelbaum geahndet. Ende der Jagd.

Die Schleppleine als Notbremse
Wegen des heftigen Leinenrucks beim Durchstarten sollte der Hund dabei unbedingt ein gut sitzendes (!) Brustgeschirr tragen, damit die Halswirbel verschont bleiben. Für Großhundbesitzer ist das allerdings nicht ganz einfach - und wenn man dann nicht schnell genug sein Gewicht nach hinten verlagert, kann es auch schon mal vorkommen, dass Frauchen den Purzelbaum schlägt. Will man lieber auf den Ruck verzichten, kann man auch elastische Leinen (ohne "Seele", aus dem Baumarkt, Segelsport- oder Kletterfachgeschäft) verwenden. Oder man verwendet einen Ruckdämpfer. Je größer der Hund, desto dicker und kürzer sollte die Leine sein und der Hundeführer sollte seine Hände mit Handschuhen schützen.

Die Schleppleine als Signalleine
Man kann die Schleppleine auch dazu verwenden, seine Hörzeichen auf Entfernung durchzusetzen. Durch diese Einwirkungen über die Leine besteht allerdings die Gefahr, dass der Hund mit der Zeit genau unterscheidet, ob er online ist oder offline. Zunächst sollte man das Freilaufen simulieren, indem man die Leine in der ersten Woche einfach über den Boden schleifen lässt und den Hund nicht korrigiert, bis er sich an die Leine gewöhnt hat. Später kann man dann die Leine während des Anti-Jagd-Trainings in die Hand nehmen und seine Hörzeichen auch auf Entfernung durchsetzen. Man sollte die Leine nicht einfach durchhängen lassen, sondern ständig ihre Länge anpassen und die Leine in Schlaufen einsammeln wenn sich der Abstand verringert oder mehr Leine freigeben, wenn der Abstand größer wird. Das hat auch den Vorteil, dass der Hund, falls er mal durchsstartet, nicht mit Wucht in die Leine brettert. Der Ruck kann zwar auch als Strafe genutzt werden, sollte aber möglichst vermieden werden. Die Schleppleine soll für den Hund völlig neutral sein und nur im Fall eines Eingriffs kurzfristig "Realität" werden. Schleifen lässt man die Leine erst, wenn der Hund schon zu 90 % kontrollierbar ist. Unsere Gedanken und Augen sollten wir dann immer beim Hund haben, damit wir seinen Vorhaben möglichst einen Schritt voraus sind. Bleiben Sie immer in der Nähe der Leine, damit sie sofort reagieren können. Ergibt sich nun eine brenzlige Situation, kann man noch versuchen, den Hund zum Verharren zu bringen und nimmt derweil die Leine vorsichtig auf. Die Schleppleine soll für den Hund völlig neutral sein und nur im Fall eines Eingriffs kurzfristig "Realität" werden.

Wenn das Schleppleinen-Training gut klappt, kann man die Schleppleine gegen eine dünne, besonders leichte Leine austauschen. Oder man verringert das Gewicht der Leine, indem man sie nach und nach verkürzt. Danach kann man den Hund phasenweise einige Minuten ohne Leine laufen lassen. Aber werden Sie nicht gleich übermütig. Die erste Zeit können sich die meisten Hunde noch gut selbst beherrschen. Bald jedoch schwindet diese Kontrolle wieder und der Hund ist nicht mehr so einfach lenkbar. Dann muss man mit dem Training evtl. wieder einige Schritte zurück gehen und den Gehorsam neu aufbauen. Das Schleppleinentraining braucht Konsequenz und dauert viele Monate.

Lässt man die Leine einfach schleifen und will den Hund durch Drauftreten korrigieren, muss man sich immer in der Nähe des Leinenendes befinden und dazu noch sehr reaktionsschnell sein - das wird meist wohl ein frommer Wunsch bleiben. Hilfreich können dabei Knoten sein, die man alle 3 m in die Leine macht, dann rutscht die Leine beim Drauftreten nicht unter den Füßen durch. Mir wird aber immer ein Rätsel bleiben, wie man einen etwas größeren Hund so stoppen soll, ohne dass er den Hunde'halter' von den Füßen holt. Bedenken Sie auch, dass ein Hund, der mit der Schleppleine durchbrennt, sehr gefährlich lebt. Die Leine kann sich zwischen Steinen und Wurzeln verklemmen und der Hund bekommt einen strafenden Ruck, auch wenn er in dem Moment gerade "nichts" getan hat. Auch kann der Hund sich verheddern und durch die Leine in eine lebensbedrohliche Situation kommen.

! Die Schleppleine ist ein Hilfsmittel, das JEDER Hund früher oder später durchschaut !

 
 
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