Beisshemmung

Warum beißen sie ????? 

Die Hände und Arme voller Schrammen, die Füße und Hosenbeine gezeichnet vom Angriff kleiner Schnappschildkröten.... So sehen oft unerfahrene Welpenbesitzer aus - ratlos und genervt. Nein das Baby ist nicht aggressiv, es macht nur noch keinen Unterschied zwischen seinen Fellgeschwistern und seinen unbehaarten neuen Menscheneltern.

Welpen haben spitze Zähne und Krallen und sie müssen erst lernen wie sie damit umzugehen haben. Eine angeborene Beißhemmung wäre schön, gibt es aber nicht.

 

Beim Herumbalgen mit seinen Wurfgeschwistern und den zum Rudel gehörenden erwachsenen Tieren bekommt der Welpe Vollbild anzeigenschon erste unmissverständliche Rückmeldungen, wenn er zu grob wird.  Durch Erfahrung lernt der kleine Hund, dass sein Verhalten Konsequenzen hat.

Beißen ist zwar normal und notwendig, aber wenn’s zu doll wird steht man plötzlich ohne Mamas Zitze da und später eben auch ohne Spielpartner - Schluss mit lustig ! Der Welpe bekommt so eine erste Ahnung was man mit den Zähnen machen kann und was man besser lassen sollte. Es ist aber erstmal nur eine Ahnung.

 

Daran müssen wir , wenn er dann mit 8 oder 9 Wochen bei uns eingezogen ist, unbedingt weiterarbeiten. Zuhause wie auch in Welpengruppen.

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In kleinen überschaubaren Gruppen lernen Welpen untereinander ihre Kräfte einzuschätzen und dosiert  davon Gebrauch zu machen. Wenn ein Welpe einen anderen zu stark zwickt, gibt dieser ein hohes Quietschen von sich, sagt  in seiner img_0798.jpg_klein.jpgHundesprache „mit dir spiel ich nicht mehr“  und geht weg oder wehrt sich. So lernt die kleine Schnappschildkröte  wieder: beiße ich zu stark, ist das schöne Spiel beendet!

In einer guten Huschu sind die maximal 4 bis 6 Welpen Welpen in Spielphasen gut beobachtet. Der der mobt  wird begrenzt, der der noch Schutz braucht bekommt ihn durch Rückzugsmöglichkeiten oder "Rettungsaktionen". Der Welpe soll lernen mein Mensch ist meine Zuflucht, meine Sicherheit und meine Orientierung. Er zeigt mir den Weg und er setzt mir Grenzen - auch im Umgang mit Artgenossen.

 

Aber auch und besonders das überdrehte Spiel zuhause kann schmerzhaft werden. Menschenhaut ist empfindlicher als Hundefell und Vorsicht muss der Hund unbedingt in den ersten Wochen  lernen.

Hier gilt das gleiche Prinzip wie der Welpe es schon bei seinen Wurfgeschwistern und seiner Mama erfahren hat: Schluss mit Lustig!

Beißt oder zwickt er mit seinen spitzen Milchzähnen so sehr zu, dass es weh tut oder sogar Schrammen und Wunden entstehen, dann lache nicht, spring und fuchtel nicht herum sondern gib eine deutliche Rückmeldung:

 Ruf laut „au“ oder quietsche. Ziehe die Hand nicht weg, denn in diesem Moment schnappen sie fast alle nach und sehen darin ein lustiges Beutespiel.


Quietsche, halte still und ignoriere den Welpen für einen Moment (wirklich nur einen Moment), wende dich ab, schau ihn nicht an.


Stellt das kleine Monster sein Verhalten trotzdem nicht ein, fängt er immer wieder an, quietsche dein „Aua“ und bringe ihn sofort  für einen Moment (!!!) vielleicht 1/2  Minute (länger ist nicht nötig und wäre auch falsch, weil er vergisst worum es eigentlich geht) in die „Auszeit“, z.B. in den langweiligen Flur oder Wintergarten.

Lass ihn wieder zu dir, wenn er gerade nicht jammert und jault. Irgendwann wird er mal Luftholen, dann ist es der richtige Zeitpunkt die Tür zu öffnen und für einen Neuanfang.


Oder bereite zuvor einen Bereich vor, den der Welpe nicht verlassen kann. Z. B. ein Laufställchen oder ein Welpengitter. Benutze dazu nicht seinen Ruheplatz oder seine Box, wenn er eine hat, in der er sich wohlfühlen und Ruhe finden soll. Sie wird sonst zum Strafplatz und er meidet sie dann möglicherweise !


Versuche dich nicht zu ärgern, sondern bleib freundlich überlegen, denn der Hund soll  sich ja von dir in den nächsten Jahren führen lassen. Das heißt  du mußt dich dann auch als souveräne Führungspersönlichkeit beweisen. 

Du wirst  feststellen, , dass er bald , aber nicht sofort (!), lernt , welche Konsequenzen sein Verhalten hat. Nichts ist für einen Hund schlimmer, als vom Rudel ausgeschlossen zu werden!

Trainiere die Beißhemmung möglichst häufig während des Spiels und während des Körperkontaktes. Es braucht viele Wiederholungen, bis der Groschen gefallen ist, manchmal vergehen einpaar Wochen.

 „Schluss“ oder „Ende“ ist deine Warnung unmittelbar  vor der Auszeit. Bald weiß der Welpe dass er bei diesem Signal besser aufhört, um nicht wieder ins Abseits zu müssen.


Erfahrungsgemäß drehen viele Welpen abends zu einer bestimmten Stunde noch einmal so richtig auf. So nach dem Motto „soll das heute schon alles gewesen sein, bin noch gar nicht müde???“ Manchmal hilft es in diese Zeit einpaar Suchspielchen zu legen. Schaut einmal unter Beschäftigung nach. Ein Ritual immer zur gleichen Zeit, hilft recht schnell zu erkennen, dass nun der Feierabend oder die Sofazeit angefangen hat.  Da könntet ihr  dann  z.B. ein Balli oder Leckerchen in eine Decke knuddeln, alles verstecken, gemeinsam suchen  und  auspacken lassen.

Es wird schon, nur Geduld!

 
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