25.3.2015, Gemeinsam statt einsam.....

gassirundeimg-20150322-wa0006.jpg25.3.2015, Gassigehen – gemeinsam statt einsam……

Das war unser Motto am letzten Sonntag. Ich fand es war ein sehr schöner Spaziergang mit 12 Hunden und ihren Menschen. Entsprechend waren auch die Rückmeldungen. Leider gibt’s nicht von allen Fotos.

Auf so einem Spaziergang , an dem alle Hunde – auch spezielle Hunde, teilnehmen können, gibt es natürlich Regeln, damit es klappt. Alle Hunde mußten an der Schleppleine bleiben. Nicht jeder Hund mag die direkte Kontaktaufnahme mit einem andern Hund und dem mußte Rechnung getragen werden. Ihr habt das alle super hingekriegt.

Wir wollten zeigen, dass ein Spaziergang sehr viel mehr sein kann als frische Luft schnappen und sich die Beine vertreten. Ein Spaziergang kann für Vier- und Zweibeiner zu einem Abenteuer werden oder zu einer spaßigen Lernstunde oder zu einer gemeinsamen Wohlfühl- und Entspannungsrunde. Wir wollten von allem etwas hineinpacken. Wie ihr bewiesen habt, geht das sogar in der Gruppe, wenn man vorrausschauend handelt, sich in Geduld und Gelassenheit übt und anderen Teams mit Wohlwollen begegnet, egal auf welchem Entwicklungsstand sie sich in ihrer Teamfindung gerade befinden.

gassirundeimg-20150328-wa0009.jpgAuf unserem Spaziergang kannten sich nicht alle Teilnehmer. Sie waren deshalb gefordert nicht nur auf ihren eigenen Hund zu achten, sondern auch immer den fremden Hund zu berücksichtigen und Achtsamkeit bei Begegnungen, beim Überholen, beim Vorbeigehen zu zeigen. Ich fand es hat sehr gut geklappt, denn alle hatten Verständnis und Einfühlungsvermögen.

Nicht alle Teilnehmer kannten unsere Arbeitsweise, sie waren Gäste. Eine davon war erstaunt über die vielen Probleme die bei einigen sichtbar wurden und sprach von der Spitze des Eisberges und „schließlich will man ja dass der Hund im Alltag funktioniert und da müsste man ja schon mal durchgreifen……“.

Ich hab mich gefragt, ob ich auf dem gleichen Spaziergang war, eine rosa Brille getragen habe oder  vielleicht etwas übersehen habe , wo ich doch so zufrieden war. Klar hab ich gesehen, dass da auch Probleme waren. Aber ich seh dann eher die kleinen Verbesserungen zum letzten Spaziergang oder die Zuversicht die wächst. Auf diese Weise, nämlich positiv arbeitend und zuversichtlich denkend, will ich auch weiter hinsehen und über Vorgehensweisen nachdenken.

gassirundeimg-20150328-wa0006.jpgDie Anmerkung kam von meinem aktuellen Feriengast.  Sie ist sehr stolz auf ihre beiden wohlerzogenen Hunde, die beide auch die Begleithundprüfung haben und Obedience und Agility machen. Hier in der Einzelstunde mit ihr, legte sie sehr viel Wert auf korrekte Ausführung ihrer Kommandos – egal ob im Spiel oder in der Arbeit. Sie unterscheidet beides nicht, so dass selbst in Situationen, in denen es egal ist, ob der Hund perfekt am Bein klebt oder nicht, es dennoch gefordert wird.  Dadurch entsteht natürlich sehr viel Stress und Anspannung, auch da wo es eigentlich Spass machen soll.
Sie erklärte mir , dass sie Körperspannung und Konsequenz beibehalten müsse, damit der Hund in der Obedience-Stunde keine Fehler macht. Er könne das sonst nicht unterscheiden. Sie war wirklich nett und ich wollte sie nicht verletzen.  Ich mußte anfangs sehr oft tief durchatmen und mich in Zuversicht üben…..

Für mich bedeutet es, dass hier das alltägliche Leben gefahr läuft zum Obediencetraining zu werden und der Spass und die Ungezwungenheit, die Leichtigkeit und die Gelassenheit auf der Strecke bleiben. Im Verlauf der Woche hat sich unser Training ein bißchen verändert. Die Hunde durften einfach sitzen – schräg oder gerade war egal – und wir hatten Spass und Erfolgserlebnisse bei der Ziel-Objekt-Suche.

gassirundeimg-20150328-wa0007.jpgWas hat Erziehung und Training für eine Bedeutung, wenn sie dem Hund nicht helfen, das weite Feld des Alltags und des Zusammenlebens mit uns, zu verstehen. Was nützen die bestandenen Prüfungen zum Begleithund, zum Hundeführerschein oder zur Sachkunde, wenn der Geist dabei abstumpft, müde und dumm wird, weil ein Lebewesen degradiert wird zum Befehlsempfänger.

Hundeerziehung ist eine Gradwanderung, das geb ich zu. Konsequenz ist wirklich wichtig, weil der Hund  keine Orientierung im täglichen Miteinander hat, wenn es mal und mal hot heißt.

Aber im Leben gibt es eben nicht nur schwarz oder weiß – es gibt ganz viele Grautöne. Ganz viele Situationen, die man entspannt durchleben könnte, wenn man sich gut versteht und die Anforderungen den Gegebenheiten angepaßt sind.
Man muß doch nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Soll heißen, man muß ja nicht immer einen Vorsitz fordern, wenn der Hund einfach nur freudig herankommen soll. Oder man muß ja nicht immer und grundsätzlich ein korrektes „fuss“ einfordern, wenn es reicht, dass der Hund sich in der Nähe aufhält.

gassirundeimg-20150328-wa0005.jpgErklärt dem Hund auf faire Weise die Welt und sorgt für einen ausreichenden Wortschatz und entsprechende Sichtzeichen. Das macht den Henkel am Hund überflüssig und es gibt weniger Missverständnisse.

·        So gibt es bei uns ein sogenanntes Alltags- „fuss“, da müssen meine beiden Damen möglichst nah bei mir und jede auf der richtigen Seite sein und bleiben. Das findet z.B. Anwendung bei Hundebegegnungen. Wobei aber hier der Hund immer die Möglichkeit hat, auf meine andere Seite zu wechseln, wenn ihm der entgegenkommende Hund nicht ganz geheuer ist und der Weg eng ist.

·        Dann gibt es bei uns das „fuss-ran“ beim Obedience oder beim Dogdancing, da soll der Hund sehr nah und schön parallel an mir kleben (naja, ich hab es nie so eng gesehen….).

·        Dann gibt es noch das „hier bei mir“ für unterwegs, da wissen beide, sie sollen sich in meinem Dunstkreis bewegen, aber sie müssen dazu nicht die jeweils richtige Seite einnehmen und auch nicht „bei fuss“ gehen – z.B. vor einer unübersichtlichen Wegbiegung.

 

·        Und außerdem gibt es bei uns das Signal „andere Seite“. Der Hund soll auf meine andere Seite kommen , weil vielleicht Autos sehr dicht an uns vorbei fahren ….

 

gassirundeimg-20150328-wa0010.jpgJe größer der Wortschatz ist, um so einfacher ist es, den Hund gelassener durch Alltagssituationen zu führen und zu begleiten.

 

Wieviel Freude kann man miteinander haben, wenn wir uns als Partner und als Freunde erleben, wenn wir gemeinsam albern sein können und auch mal über Fehler lachen können. Wer von uns Zweibeinern ist schon perfekt? Wir sind unvollkommen, fehlerhaft, chaotisch, speziell – normal halt, jeder auf seine Weise. Ein Lebewesen eben – genau wie unser Hund.  Also sollten wir fair sein und unsern Hund nicht nur von oben herab betrachten, sondern auch mal auf Augenhöhe.

Das kann man aber erst, wenn wir uns wirklich von alten Glaubensbekenntnissen verabschiedet haben. Wenn nicht mehr die Angst vor dem dominanten Hund, der die Weltherrschaft übernehmen will, in unsern Köpfen festsitzt.
Sich wirklich frei zu machen von diesen alten Gespenstern in der Hundeerziehung ist nicht so leicht. Besonders wir älteren Hundehalter sind damit aufgewachsen, haben vielleicht selbst noch  auf dem Hundeplatz im Schäferhundverein mitgebrüllt. Weil es normal war.

gassirundeimg-20150328-wa0015.jpgEin Umdenken hat längst begonnen nur ist es noch nicht bei allen angekommen, wird ja auch verhindert durch TV-Sender die es lieber spektakulär haben. Aber das ist eine andere frühere ATH-Geschichte.

Es ist echt nicht einfach seinem Hund auf Augenhöhe zu begegnen ;-))) aber es lohnt sich!

Nun hab ich mich schon wieder aufgehangen – eigentlich wollte ich ja von unserm Spaziergang erzählen, der nämlich doch sehr schön war:  Ein Spaziergang für den Hund, für die Gemeinsamkeit und als Anregung für alle zukünftigen Gassirunden.

Es gab Unterwegsaufgaben für die Zwei- und für die Vierbeiner. Jeder bekam Aufgabenkärtchen in die Hand.

So gab es Aufgaben zum  Rückruf, zur Impulskontrolle, für die Nase, für die Entspannung, für Begegnungen und zur allgemeinen Freudeohne Machtkämpfe.

Mir hat es gut gefallen und ich denke, wir machen das mal wieder.

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