das böse Wort "NEIN"

 NEIN - das böse Wort…..

Das Wort NEIN, das immer wieder Thema ist und von dem nun auch in dem aktuellen Zitat auf Gudruns Seite abgeraten wird, braucht jetzt von mir mal ein wenig Fürsprache.

 

 

Ich muss sagen, ich versteh die Aufregung darum nicht. NEIN ist die Aufforderung zur Verhinderung oder zum Beenden einer Handlung. Eben ein Abbruchsignal. Ich finde es macht das Leben in einigen Situationen leichter und auch für meine Hunde war und ist es lediglich eine Info, die  nicht weiter frustriert, sondern einen weiteren Hinweis oder einen Ausweg ankündigt.

 

ausruhenaufbaumstamm.gifIn unserem Alltag findet das Prinzip der positiven Bestärkung immer Anwendung, auch ohne das es clickt,  es ist einfach verinnerlicht.  Eine so emotionslose Rückmeldung wie im Zitat beschrieben (Fehlverhalten einfach nicht bestärken) praktiziere ich allerdings kaum.  

Zum Clicker gehört der Mensch der ihn bedient und die Freude und der Spass und seine Art dies zu zeigen.

 

Auch Worte wie „versuch´s nochmal“ kommen bei mir vor, wenn der Hund auf dem Holzweg ist.  Ich finde Clickertraining kann lebhaft , ja lebendig sein. Auf die Idee einen Hund mit einem Jonglierball (wie im Zitat) zu vergleichen bin ich noch nicht gekommen. 
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Auch sollte man nicht pauschal von Training sprechen. Es gibt so viele Trainingsziele die unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Wahrscheinlich wird der Satz „versuch´s nochmal“ in einem Begegnungstraining weniger  vorkommen, dafür um so öfter, wenn ich möchte, dass der Hund bei einem spaßigen Trick etwas herausfinden soll. 

Aber auch im Begegnungstraining kann man wunderbar mit Stimmungsübertragung arbeiten und trotzdem im richtigen Moment mit dem Clicker verstärken oder den Click eben aussetzen.  Oder auch ein Schade-Signal und abwenden bei Bell-Attacken ist eine Option.


Man kann sich aber auch völlig emotionslos, wie im Labor, einfach auf den Click oder eben Nichtclick im Training verlassen. Ich würde das eher so nicht machen. 

stolz.gifEin freundlich aufgebautes  NEIN kann im Alltag beim Hund kaum Schaden anrichten , es ist einfach eine Info, die das Zusammenleben erleichtern kann.

 

Bei unserer gestrigen Gassirunde spielten Kinder auf dem Sportplatz mit einem kleinen Ball. Der Ball rollt 3 Meter vor uns quer über den Weg. Daschka wird ca. 2 cm größer und etwas steifer und ich sage beim Weitergehen ein leises „Nö, wir gehn vorbei“ . Sie guckt mich an und meine Hand weist nach vorne , als Zeichen dafür, dass wir weiter geradeaus gehen.  Sie "stimmt zu" und ich sage ihr, das machst du prima.

 

Genauso verhält es sich bei leckeren Dingen die runter fallen, bei Katzen, bei Hunden, bei allem was eben meiner Meinung nach unbehelligt bleiben sollte. Wir sind ein Team, weil wir uns dahin entwickelt haben. Ein NEIN ist eine Info für sie , kein Rätsel. Es gehörte von Anfang an dazu. Allerdings nie in Verbindung mit einem bösen Ruck oder einer Strafe. Sondern immer mit einem Ausweg oder Hinweis wie es weitergeht.  

 

Anstatt das Wörtchen „NEIN“ als Unwort des Jahres hinzustellen und am liebsten auszumerzen, sollte es erlaubt sein, sich angstfrei ein paar Gedanken dazu zu machen und aufzuklären. Was nützt es Reflexe zu verteufeln.

Ein NEIN ist im besten Fall kein böses Zurechtweisen, ein NEIN soll etwas unterbrechen und eine weitere Information ankündigen.

 

grillen.gifMit einem NEIN wollen wir unseren Hund vielleicht vor einer Gefahr schützen oder etwas uns Wichtiges schützen.
Ich zeige dem Hund also um was es mir geht (vielleicht indem ich die Hand drauf lege, dazu mein NEIN sage) und ich zeige ihm was er stattdessen tun soll (vielleicht weitergehen oder sich hinsetzen).

Das ist wichtig, weil das Hundegehirn aus einem nackten NEIN kein „richtiges“ Verhalten ableiten kann. Der Hund benötigt einen Hinweis, wie er sich stattdessen verhalten soll. Denn alles was er tat, war ja aus seiner hundlichen Sicht sinnvoll. Würstchen vom Grill holen, Schuhe zernagen tut gut bei Langeweile. Warum also damit aufhören? Joghurtbecher im Mülleimer finden ist genial, weil das Auslecken Spass macht…….

 

gesichtsauer.gifAber :  Verwenden wir das NEIN  inflationär und ohne weitere Information für den Hund, wie so oft in den Gruppenstunden zu beobachten, verliert es an Bedeutung und der Hund beginnt es zu überhören. Es ist oft ein Zeichen für ein Miteinander ohne Kontakt. Ich weiß das hört sich widersprüchlich an, aber dennoch würde ich es so ausdrücken. Hund und Mensch tun etwas zusammen, achten aber nicht aufeinander , immer wieder gibt es Missverständnisse -  kommentiert  mit einem ärgerlichen NEIN von oben…

 

Die meisten NEINS sind im Alltag und im Training tatsächlich überflüssig. Wenn wir beim Hund für einen ausreichenden Wortschatz sorgen, könnten wir ihm einfach sagen, was wir von ihm wollen.  Gelernte Signalworte wie „weiter“, „raus da“, „unten bleiben“, „komm mal schnell“, „tauschen“, „langsam“, „fuss“, „hier geht’s lang“, „nimm lieber das“ , „versuch´s nochmal“ und vieles mehr geben dem Hund eine klare Info, ohne ein NEIN voraus schicken zu müssen.

 

Auch vorausschauendes Handeln und Management hilft viele NEINS überflüssig zu machen. Wenn ich z.B. die Butter nicht auf den Fussboden stelle oder die Antibabypillen nicht auf der Couch liegen lasse, muss ich dem Hund nicht verbieten sie zu fressen. Man kann sich vorstellen,  die Menschenwelt ist für Hunde ein großer Abenteuerspielplatz . Da ist manchmal nur noch Zeit für ein schnelles NEIN um die Fernbedienung, die Pillenschachtel oder das Elektrokabel zu retten. Und das ist überhaupt nicht schlimm !!! – wenn Mensch daraus lernt.

 

hund_mit_fragezeichen.pngJe jünger und umtriebiger der Hund, umso wichtiger ist es ihm eine  Alternative für sein unerwünschtes Tun  anzubieten. Wird ihm mit einem NEIN etwas weggenommen oder verweigert, ist er zu recht enttäuscht.
Er versteht es ja noch nicht. Durch eine Alternative oder ein neues Angebot wird der Forscherdrang nicht gestört, sondern quasi umgelenkt und der Frust bleibt klein und verwindbar.  Der Hund kann lernen dass ein NEIN nicht schlimm ist, aber eben doch bedeutsam.


 

Ein böses NEIN, Verbote mit böser Mimik und Stimme stellen bei Kleinkindern die Verbundenheit mit der Mutter in Frage, wissen wir aus der Neurobiologie. Der Grund ist, dass das Kleinkind die Kritik an seiner Handlung noch nicht von der Kritik an seiner Person unterscheiden kann. Es spürt nur den Angriff und interpretiert jedes Verbot als Ablehnung seiner Person.
Ich glaube, dass das bei Hunden nicht anders ist.  Ihre  geistige Reife ist mit Kleinkindern vergleichbar.  Deshalb sollten NEINS den Situationen vorbehalten bleiben, in denen sie nicht so einfach vermeidbar sind.

 

Die Neurobiologie lehrt uns leider auch, dass ein nur so dahingesagtes NEIN eigentlich gar nichts bewirkt. Beiläufige NEINS werden nur im Kurzzeitgedächtnis für ein paar Minuten abgelegt. Um bei Kleinkindern (wahrscheinlich auch bei Hunden) im Langzeitgedächtnis zu landen sind Gefühle und Stimmungen wichtig.
Also doch lieber brüllen?

 

Wer will das schon?

 Ich glaube hier hilft einfach und vor allem die Gewohnheit , aber auch die Konsequenz, die Feinfühligkeit und die Kooperationsbereitschaft der Zweibeiner mit dem Hund.  Wenn wir unsere Hunde als Wesen mit eigenen Bedürfnissen respektieren und auf diese einfühlsam und wohlwollend eingehen und mit Bedacht Grenzen setzen, dürfte das Heranreifen  und Erwachsenwerden des Hundes sein übriges tun.



hundundmannmitaugen.gifWir werden uns mit der Zeit dann immer besser verstehen und ein freundlich aufgebautes NEIN kann auf dieser Grundlage (wie oben beschrieben) keinen Schaden anrichten. Das sind zumindest meine Erfahrungen mit Kindern und mit Hunden.  

 

Steckt doch einfach bei jedem NEIN 5 Euro ins Sparschwein.  Dann werdet ihr mit den NEINS sparsamer umgehen und dem Hund einfach sagen, was ihr von ihm wollt…….

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